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174 GRAND PRIX SUISSE 1952 – JEAN BEHRA

Dies ist die seltsame und schier unglaubliche Geschichte von Jean Behra und dem Grand Prix Suisse 1952. Jean Behra war ein französicher Rennfahrer, welcher auch an der Formel 1 (F1) Weltmeisterschaft teilnahm.

Die Woche direkt vor dem Grand Prix Suisse 1952: das Team von Jean Behra ist in finanziellen Schwierigkeiten und deshalb ist es nicht möglich, an den Trainings am Donnerstag und Freitag dabei zu sein. Es wird zu einem unkonventionellen Lösungsansatz gegriffen: letztlich hilfreich und mit einem recht erfolgreichen Ende.

Jean Behra fährt seinen Rennwagen vom Typ Gordini T16 (das heutige Video zeigt diese Art Fahrzeuge) von Paris in Frankreich nach Bern in die Schweiz (eine Reise von ungefähr 600 km). Dabei nimmt er noch die nötigen Abstimmungsarbeiten vor – all dies auf öffentlichen Strassen, am Tag vor dem Rennen. 

Während dem Rennen verliert der Gordini von Behra den Auspuff. Das einzige Ersatzteil ist ebenfalls am Rennen beteiligt: von einem anderen Gordini wird der Auspuff demontiert und beim Fahrzeug von Behra montiert. Das verrückte Wochenende im Mai 1952 nimmt darauf doch noch ein versöhnliches Ende, Rennergebnis Podestplätze: 1. Piero Taruffi, Italien, Ferrari   /   2. Rudolf Fischer, Schweiz, Ferrari   /   3. Jean Behra, Frankreich, Gordini – nicht so schlecht, unter all diesen Umständen!

Und noch ganz zum Schluss und dies leider teilweise im wahrsten Sinn des Wortes: beim Grand Prix von 1954 gehörte Behra dann zu den Ausgeschiedenen; doch erhielten auch diese Fahrer einen ganz besonderen Preis – einen Viertel Emmentaler Käse, ein köstliches und schweres Geschenk! Niemand ging davon aus oder wusste, dass zu diesem Zeitpunkt der letzte Grand Prix Suisse auf dem Bremgarten Rundkurs in Bern stattgefunden hatte.

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       www.losungen.de

PS   Quellennachweis: Grand Prix Suisse 1934-54 Bern im Rennfieber von Marc Höchner, Nora Mathys, Severin Rüegg, Lisa Schlittler, Oliver Schneider

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173 SCHUTZENGEL JOHN

Nein, es war nicht in Dallas, so wie im heutigen Video. Es war in der Schweiz, im Kanton Graubünden: Berge, Pässe, Tunnel – aber es war dieselbe Hupe, in einer deutschen Limousine. Diese gehörte John, einem Freund von The Castiron. Die beiden machten Urlaub und erfreuten sich auch am Klang und der Melodie von La Cucaracha. Ja, ganz genau, das Kind im Manne.

All dies ist schon einige Zeit her. Autos waren nicht so zuverlässig und sicher wie heute. Die Limousine gab unterwegs den Geist auf – defektes Differenzial, kein Vortrieb mehr. John entschloss sich kurzerhand das Auto dort einer Werkstatt zu überlassen. Was blieb: zwei Personen mit Gepäck, einige Stunden weg von Zuhause.

The Castiron ruft seinen Bruder an, fragt ihn um Hilfe. Dieser kommt noch am gleichen Abend, zusammen mit seiner Freundin, mit einem italienischen Kompaktwagen. Die Situation: ein kleines Auto, vier Personen und Gepäck. Letztlich ist doch alles im Fahrzeug drin, die Heimfahrt beginnt.

Einige Stunden später geht die Fahrt durch eine Stadt, immer noch der Bruder hinter dem Lenkrad. Um die 60 km/h, tiefe Dunkelheit, praktisch kein Verkehr. Plötzlich ruft John: „pass auf“ – ein geparkter LKW-Anhänger im Lichtkegel! Der Bruder kann den Unfall gerade noch vermeiden, im letzten Augenblick. Nichts geschehen; andererseits hätte ein Aufprall auf dieses Hindernis mit diesem Kompaktauto fatale Folgen gehabt.

Nenne es Schutzengel oder was auch immer. Frühere Blogposts und insbesondere die Lebenserfahrung zeigen: viele Dinge haben wir nicht in unserer Hand. Und: oft ist es ein schmaler Grat zwischen Glück und Unglück.

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       http://thecastiron.ch/de/pastor-de.html

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172 VORSCHAU ESSEN MOTOR SHOW 2019

Heute ist der Previewday dieser Ausstellung, zeitgleich mit dem aktuellen Blogpost – alles schön zu seiner Zeit. Hier nur eine kurze Ankündigung, in Essen (siehe bitte Empfehlung) ist dann die Möglichkeit lange zu verweilen, ab morgen bis am Sonntag, 8. Dezember.

In diesem Jahr nimmt SRSMotorsport erstmals an diesem Anlass teil. Viele der Aktivitäten der Mitglieder werden präsentiert, auch durch verschiedenste Fahrzeuge, von schnell bis weniger schnell, vom Leichtgewicht und Schwergewicht.

Besonders erwähnenswert: die Tractor Pulling Meister vom Team Kaiser (siehe bitte Blogpost 38 und 83) – viel mehr als nur Sport Enthusiasten mit einem sehr beeindruckenden und speziellen Einsatzfahrzeug!

The Castiron empfiehlt: gehe vorbei und schaue es Dir an! In der Halle 5 am Stand 5F12 werden Dich die Leute von SRSMotorsport (siehe bitte Blogpost 106) gerne begrüssen. Frage sie auch nach ihrer persönlichen Geschichte; dazu werden sie Dir allenfalls auch vom gewissen Etwas aus ihren Leben erzählen. Viel Vergnügen!

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       https://www.essen-motorshow.de/automobilmesse/

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171 DRAMATISCH ÜBERSCHATTET

Der Blogpost von letzter Woche konzentrierte sich auf einen Rennfahrer und Gentleman, der über 90 Jahre alt wurde. Wir wissen alle: es gibt auch die Kehrseite der Medaille. Erfolg und grosse dunkle Schatten liegen oft nahe beieinander.

Das Jahr 2015. Jahrelang hatten zwei Freunde denselben Traum und dasselbe Ziel: sie wollten Formel 1 Rennfahrer werden. Einer von ihnen, Jules Bianchi (3. August 1989 – 17. Juli 2015), erreichte dies 2013 und bezahlte mit seinem Leben; nach seinem Unfall beim Grossen Preis der Formel 1 in Japan im Oktober 2014 wachte er letztendlich nicht mehr aus dem Koma auf. Der andere der beiden, Charles Leclerc, setzte seine Karriere fort – weiterfahren auch zur Ehre seines Freundes und Mentors Jules, was auch dessen Willen gewesen wäre.

Das Jahr 2017. Eine andere Schlüsselperson und grosser Förderer, Hervé Leclerc (7. März 1963 – 20. Juni 2017), wurde nur 54 Jahre alt; der Tod seines Vaters überschattet wiederum das Leben des jungen Charles Leclerc. Einige Tage danach reagierte er auf seine Weise: er gewann das Formel 2 Rennen in Asserbeidschan. Dies hätte wohl auch dem Wunsch und Willen seines Vaters entsprochen – und es war auch weiterfahren zu dessen Ehre. 

Das Jahr 2019. Es war das Wochenende des Grossen Preises der F1 in Belgien, in Spa-Francorchamps, wo auch ein Formel 2 Rennen am Samstag stattfand. Charles Leclerc hatte nun sein Ziel als Formel 1 Fahrer erreicht und ein Freund und Weggefährte aus dem Motorsport startete in der Formel 2; Anthoine Hubert (22. September 1996 – 31. August 2019) verunglückte dabei tödlich. Am Tag danach, am Sonntag, gewann Charles Leclerc sein erstes Formel 1 Rennen; er reagierte auf seine Weise – es war auch zur Ehre von Anthoine.

Charles gewann am Wochenende danach auch den Grossen Preis von Italien. Auf seinem Helm und Lenkrad: RIP Tonio. Eine Woche zuvor in Spa-Francorchamps hatte er gesagt, an diesem extremen Wochenende habe er am Samstag einen Freund verloren und am Sonntag habe sich ein Bubentraum erfüllt.

Die Karriere und die grossen Erfolge eines jungen Rennfahrers wurden immer wieder dramatisch überschattet. Charles Leclerc, mental gefestigt und extrem fokussiert, wurde durch all dies stärker, es veränderte ihn für sein ganzes Leben.

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       http://thecastiron.ch/de/pastor-de.html

PS   Quellennachweis: MOTORSPORT aktuell Nr. 38 und 39 / 2019; www.motorsport-aktuell.de und https://www.theguardian.com/sport/2019/may/19/charles-leclerc-ferrari-lost-father-early-changes-forever

PPS   Requiescat in pace – RIP / möge er in Frieden ruhen, üblicherweise als Inschrift auf Grabsteinen; https://www.merriam-webster.com/dictionary/requiescat%20in%20pace

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170 TOULO DE GRAFFENRIED

Vor 70 Jahren gewann Emmanuel de Graffenried, besser bekannt als Toulo de Graffenried (18. Mai 1914 – 22. Januar 2007) mit einem Maserati den Grand Prix von Grossbritannien in Silverstone. 1949 war dies noch nicht im Rahmen der Formel 1 (F1) Weltmeisterschaft; diese begann erst 1950 – auch an diesen Rennen hat von Graffenried dann teilgenommen. Eine besondere Anmerkung zum Britischen Grossen Preis: dieser fand üblicherweise am Samstag statt, damit die Sonntagsruhe nicht gestört wurde.

Es kann sein, dass das heutige Video und eine Portion Nostalgie diesen Blogpost prägen. The Castiron, Rennfahrer aus der Schweiz und eine ganz persönliche Meinung: die grossen Drei aus dem vergangenen Jahrhundert sind Toulo de Graffenried, Jo Siffert und Clay Regazzoni (siehe dazu bitte auch die Blogposts 141 und 156). Oder, in anderen Worten: de Graffenried – Baron de Graffenried, ein Gentleman der Rennstrecke, Siffert – der Mann mit der tragisch endenden Geschichte des Checkbuchs und Regazzoni – der Unzerstörbare. Alle erfolgreich, nicht nur im Formel 1 Rennwagen.

Toulo de Graffenried, auch er Landsmann von The Castiron, stellt ein ganz besonderes Kapitel in der langen Geschichte des Motorsports dar. Viele Rennen, gefährliche Rennstrecken, herausfordernde Fahrzeuge und dazu ein langes Leben – diese Kombination war in diesen Zeiten doch eher die Ausnahme. Auch er: ein weiterer Held der Vergangenheit. Und zu all dem: er war der erste Schweizer, der einen bedeutenden Grand Prix gewann.

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       www.losungen.de

PS   Gemäss www.autobild-klassik.de, Nr. 4/2019, „Hollywood in der Grünen Hölle“, spielte Toulo de Graffenried kurz nach 1950 auch im 20th Century Fox Film „Der Favorit“ mit.

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169 IM UHRZEIGERSINN

Im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn? Spielt das überhaupt eine Rolle auf einer Rundstrecke? Ob so oder so, es wird von der inneren Seite der Rennstrecke her bestimmt. Es gibt also beides, mehrheitlich wird im Uhrzeigersinn gefahren. Was sollen die Fragen? 

In diesem Zusammenhang lohnt es sich doch, einige Punkte etwas näher anzuschauen. Beim Fahren im Uhrzeigersinn sind zudem die Rechtskurven zahlreicher – mit nicht unerheblichen Auswirkungen auf das Auto: primär Fahrwerk, Radaufhängung, Bremsen, Reifen. Belastung und Verschleiss sind oft ungleich, meistens vorne links wird das Fahrzeug am meisten gequält. Halte Dir das vor Augen, bei Sichtkontrollen und nötigenfalls auch während der Fahrt! 

Es muss aber nicht zwingend vorne links sein. Auch die Art der Kurve hat einen grossen Einfluss: Kurven wie „Fuchsröhre“ oder die zwei „Karussell“ auf der Nürburgring Nordschleife sind Linkskurven, wo höchste Belastungen auf das Fahrzeug wirken. Du weisst es: die Nordschleife ist speziell – obwohl auch im Uhrzeigersinn, sind Rechts- und Linkskurven durch die grosse Streckenlänge nahezu ausgeglichen. Auch hier: Halte Dir das vor Augen, sei aufmerksam!

Auch die Überholmöglichkeiten sind ein Thema. Im Uhrzeigersinn bedeutet meistens, dass man vor allem rechts am anderen Fahrzeug vorbeikommt. Dies ist von der Streckenart vorgegeben. Links überholen kann hier manchmal auf der Kurvenaussenseite sein und das ist selten die gute Lösung.

Im weiteren Sinn: keine Regel ohne Ausnahme – insbesondere erwähnenswert sind Nordschleife, Bergrennen und ähnliches. Andererseits gibt es auch die Ovalkurse: entweder komplett im Uhrzeigersinn oder im Gegenuhrzeigersinn.

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       www.losungen.de

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168 SELTSAME RÜCKMELDUNG

Es war auf der Heimfahrt, am Tag nach einem tollen Trackday in Zandvoort. Bremsen mit mittlerer Pedalkraft oder mehr und plötzlich eine seltsame Rückmeldung: ein rauhes, wummerndes, schabendes Geräusch – hat das Pony eine Krankheit? The Castiron macht sich ernsthafte Sorgen um Eleanor V, seinen Ford Mustang; die Bremsverzögerung ist nach wie vor gut, jedoch verbunden mit einem ganz leichten Zittern in der Lenkung.

Ist etwas mit den Bremsen nicht in Ordnung, eine Bremsscheibe mit Schlag? Bei der Abreise in Holland war das Pony in bester Verfassung. Die erstmals verwendete Kombination von Bremsscheiben und Bremsbelägen von verschiedenen Herstellern (beides Markenprodukte) hatte besonders auf der Rennstrecke gut funktioniert: es reisst dir die Räder vom Auto – so war das Verzögerungsgefühl, dabei ein absolut konstanter stabiler Pedaldruck, keinerlei Fading, moderater Verschleiss. Und jetzt diese seltsame Rückmeldung beim Bremsen!

The Castiron versucht diese Krankheit zu analysieren. Wenig befahrene Strasse, vorsichtiges Anziehen der Handbremse (wirkt nur auf die Hinterachse): Stille, alles wie üblich. Da sowohl Bremsverzögerung und Pedalgefühl vertrauenswürdig sind, ist es wohl ein nicht allzu grosses Problem; vielleicht ein Fremdkörper zwischen Scheibe und Belag oder ein uneben verschlissener Bremsbelag mit einem Grat. The Castiron entscheidet: dies im Auge behalten und vorausschauend mit der nötigen Vorsicht weiterfahren.

Die seltsame Rückmeldung beim Bremsen hält sich hartnäckig bis zur Ankunft zuhause. Da ist wohl wieder ein Besuch beim Arzt fällig. Seine Diagnose: Rissbildungen an den vorderen Bremsscheiben. Mögliche Ursache? Eine massive Fremdeinwirkung könnte die Scheibe geschwächt haben, was nun unter hoher Beanspruchung einen Folgeschaden nach sich zog. Das könnte der letztjährige Vorfall gewesen sein, als das Pony grasen wollte und sich dabei ungewollt verletzte (schaue dazu doch bitte Blogpost 121 an). Folgeschäden sind meistens schwierige Fälle und erlauben selten eine schlüssige Diagnose – sei stets wachsam.

Oft sind es in solchen Fällen auch Materialfehler aufgrund von minderwertigem Material. Deshalb hier noch einmal, ganz ausdrücklich: Hände weg von dubiosen Produkten; letztlich und über allem ist gute Qualität immer besser. Und zu guter Letzt: Man lernt nie aus!

Bis nächsten Freitag.   -   B’hüet Di, alles Gute!   The Castiron

Empfehlung:       www.losungen.de